Rom, Paris, Venedig, die Pyramiden, der Mount Everest, Bali – die schönsten Orte der Welt, so wollen einem die Hochglanzbroschüren der Reiseanbieter Glauben machen und das wird auch von vielen so angenommen. Natürlich sind diese Orte schön, zumindest waren sie es, bevor der Massentourismus entstand. Wir erkunden mit euch einen Winter lang unbekannte Orte - jede Woche werden zwei neue hier im KULTblog vorgestellt!

Wie oft hört man: „Der Urlaub und die Gegend waren wunderschön -  aber so viele Menschen, unfreundliche Einheimische und überall wird man abgezockt?“ Städtereisen. Safaris. Trekkingtouren. Das perfekt organisierte Reisen wird immer beliebter. Der Trend „das Vorgelebte zu erleben“ ist riesig. Und so fällt es immer schwerer, Einzigartigkeit und offene Münder durch Staunen über Neues zu erfahren.

 

Der Tourist zerstört,
was er sucht,
indem er es findet.

Hans Magnuns Enzensberger

 

"Heute hat Reisen oft eine hohe Geschwindigkeit. Relativ kurze Zeiträume werden in für uns exotischen Ländern verbracht und oft bemühen sich die Einheimischen vor Ort, für Touristen Verhältnisse zu schaffen, die diese von daheim gewohnt sind - so kommt man gar nicht wirklich weg. Fremde Kulturen und Sehenswürdigkeiten werden konsumiert wie Fastfood, alles ist bereit, gereglt und schnell erledigt. Es bleibt wenig Zeit zum Nachdenken. Verhaltensweisen und auch das Tempo und die Muster von Zuhause werden mitgenommen. Am Ende reicht es gerade um zu sagen, ich bin dort gewesen."                                                                                                             (goodtimes Magazin)

 

Geht das nicht auch anders?

 

Wir haben persönliche Erlebnisse an scheinbar unspektakulären Orten für euch aufgeschrieben, welche die Hochglanzziele aus den Reiseprospekten vielleicht um Längen schlagen – und das oftmals fast direkt vor der Haustür.

Viel Spaß beim Mitreisen – einen Winter lang entführen wir euch nun jede Woche an einen anderen ganz besonderen Ort!

Eure
W2 und W3

 

True Voyagers

Am Wochenende hat es mich nach langem wieder mal nach Mailand verschlagen. Nach einem unvergesslichen Flug über verschneite Berggipfel landen wir in der Stadt der Mode. Und tatsächlich High Fashion und Werbeplakate auf Schritt und Tritt – sogar am Dom, vor dem die unvermeidliche Touristenschar geduldig Schlange steht, prangt eine Videoleinwand.   

 

                  

 

Zwischen all den bunt erleuchteten Schaufenstern und Postern von Models in coolen Posen fängt eine haushohe Plakatwand meinen Blick ein, auf der ein Gedicht in den Himmel ragt:

“But the true voyagers are only those who leave
Just to be leaving; hearts light, like balloons,
They never turn aside from their fatality
And without knowing why they always say: "Let's go!”

                                                                         Charles Baudelaire

 

 

Wir ziehen also "ballonleichten Herzens" weiter und verlaufen uns in den Gassen der Altstadt. Eigentlich wollten wir einer Route folgen, die uns an die interessantesten Plätze der Stadt bringen sollte, aber wir nahmen es nicht so genau mit dem Plan und schon bald haben wir nicht mehr die geringste Ahnung, wo wir uns befinden. Aber als Entschädigung stoßen wir schließlich, hungrig wie wir sind, auf eine winzige Paninoteca, die uns die besten Panini der Stadt verspricht. Und tatsächlich, die knusprigen, warmen Brötchen mit selbst gemachten Soßen, Wurst, Käse und allem, was das Herz sonst noch so begehrt, sind sensationell! Wir sitzen inmitten italienischer Familien dicht gedrängt auf niedrigen Hockern im dunklen Bauch der Bar und genießen jeden Bissen.

Ach ja, der Mailänder Dom, natürlich waren wir drinnen. Er ist tatsächlich gewaltig und lässt einen ameisenklein werden, wenn man es endlich geschafft hat, hineinzukommen, vorbei an den Wachen in Kampfanzügen mit Metalldetektoren wie am Flughafen, die jeden Besucher abtasten und jede Tasche sorgfältig durchsuchen. Nein, ein Deo darf nicht mit hinein zum lieben Gott, das müssen wir tatsächlich wegwerfen. Also gut… Drinnen ist es erstaunlich still, die Besuchermassen verlaufen sich im feierlichen Halbdunkel. Und auch vom Domdach, das man besteigen kann, nehmen wir so manches schöne Bild mit nach Hause. Und doch, wenn ich dort nun wieder an meinem Schreibtisch sitze, kommen mir nicht Models, Madonnen und Marmor in den Sinn, sondern ein unglaublich intensiver Geschmack von gebratenen Paprikastreifen in Parmesancreme, verpackt in ein knuspriges Brötchen und meine Finger scheinen immer noch leicht davon zu kleben. Ihr wollt einen Geheimtipp für die nächste Mailandreise? Wo sie ist, diese kleine Paninoteca? Keine Ahnung, da müsst ihr schon selbst vom Weg abkommen… und einfach sagen „Let´s go!“

Al Smek, Februar 2017

Glück pur.

Der Kuhsee, ein Ort meiner Kindheit:  Vier Erwachsene und zwei Kinder samt Badesachen und Verpflegung  in einen beigen Ford Capri gequetscht, im Wasser spielen bis man mit blauen Lippen und schrumpeligen Fingern von einer entschlossenen Erwachsenenhand an Land gezogen und zum Aufwärmen in die Sonne verfrachtet wurde, am Nachmittag dann mit einem Cola Eis in den klebrigen Händen auf den Spielplatz und schließlich mit Sand paniert wie ein Wiener Schnitzel wieder ab in den See. So sah ein klassischer Sommertag aus,  Kinderglück pur.

Irgendwann kam der Kuhsee dann aus der Mode, kaum ein anderer Ort löst spontan so viel kollektives Naserümpfen aus: zu klein, zu laut, zu schmutzig. Also Kuhsee, das geht irgendwie gar nicht… Ich mag ihn zwar immer noch, vielleicht sind es auch die leicht sentimentalen Kindheitserinnerungen, die lebendig werden, wenn ich heute in sein oft algiges Nass tauche,  aber irgendwann zog ich vom belebten Ostufer ans ruhigere Westufer und meine Besuche wurden seltener.

„Ein letztes Mal Baden im See “, flüsterte mir eine innere Stimme ins Ohr, als ich gegen Ende der Ferien am frühen Morgen überlegte, was ich noch unbedingt tun wollte, bevor die Schule wieder anfing. Also radelte ich los durch den Siebentischwald, über den Hochablass und da lag er in völliger Einsamkeit, mein guter, alter Kuhsee. Eine fast andächtige Stille herrschte ringsum, als ich ins noch morgendlich kühle Wasser tauchte, das überraschend klar war und von einem wunderbar tiefen Grün. Ich durchquerte den See, fühlte mich  getragen, um mich herum tanzten die Strahlen der Morgensonne auf den Wellen, Libellen umkreisten mich mit ihren Feenflügeln und ich fühlte mich plötzlich als Teil der Natur. Ich war nicht außen vor, nicht Betrachter, nein, ich war mittendrin, die Natur umschloss mich, umarmte mich. Alles war richtig in diesem Augenblick.  Glück pur.

 

 

 

Danke, Lech!

Sonne, blauer Himmel und das Rauschen von Wasser, um mich herum zahllose Steine. Ich habe es schon im Gefühl, heute wird ein guter Tag, keine Termine mehr, nichts zu erledigen, einfach nur hier sein! Das Handy dient nur noch der musischen Untermalung, kein Anruf, auf den ich warte, keine What’s app Nachrichten, bei denen verlangt wird, dass ich antworte. Oder vielleicht doch? Wenn ja, auch egal! Ich stapfe durch den Kies, um mir ein vom Wasser gekühltes Bier zu holen und bewege mich wieder zurück. Beim ersten Schluck des kühlen Nasses kann ich nun endlich auch die Emotionen nachempfinden, die uns die Bierwerbung immer vorspielen will. Spaß bei Seite! Ich lege mich zurück in den Kies und spüre, wie sich dieser meinem Körper anpasst, mache die Augen zu und genieße die Sonne. „Gib mal ´n Filter“ reißt es mich aus meinen Gedanken. Sollte ich nun genervt sein, dass meine Ruhe gestört wurde? Dass die Frage ohne ein bitte gestellt wurde? Nicht im Geringsten, eher macht sich Freude in mir breit, da mir wieder auffällt, ich bin nicht allein, hier nicht und sonst wo auch nicht. Ich gebe meinem Kumpel einen Filter, nehme mir selbst einen aus der Packung und drehe mir eine Zigarette. Zwischen dummen Sprüchen und immer wiederkehrenden Ruhephasen zieht der Tag Bier für Bier an uns vorbei, der Himmel ändert seine Farbe von Blau zu Schwarz, die Sterne zeigen sich. Nun sieht man vermehrt kleinere Feuer flackern, der Geruch von verbranntem Holz liegt in der Luft. Auch wenn ich diesen Geruch nicht sonderlich mag, stört er mich hier nicht, nichts könnte mich hier stören.

Wer braucht schon Cluburlaub, wenn er dich haben kann? Danke Lech!


Am Bismarckturm

Neulich war ich mit einer meiner besten Freundinnen am Bismarckturm in Neusäß. Dieser hat täglich von 9:00 – 19:00 Uhr offen und man kann ihn besteigen, allerdings waren wir spät dran, weswegen wir unten bleiben mussten.
Neben dem Turm kann man im Gras sitzen, abends sind auch nicht allzu viele Leute da und man hat einen super Blick über die Stadt und auf den Sonnenuntergang.
Ist die Sonne dann erst einmal untergegangen, können die „deepen Gespräche“ starten. Mit Blick auf die Lichter der Stadt kann man dort den Abend ausklingen lassen.

 

 

Überraschende Ruhe

Ein Ort, welcher mich durch seine überraschende Ruhe beeindruckte und deshalb spektakulär für mich wurde:  Ellingen, eine kleine Stadt in Franken, so ruhig und unberührt. Kein Tourismus hat diese Stadt zerstört. Es war ein Feiertag, als wir in die Stadt fuhren und ich war mir sicher, dass wir dort von Menschen überrannt werden würden. Doch die Überraschung war groß: Außer uns war keine einzige Seele auf der Straße. Ich fühlte mich sofort heimisch, denn Ellingen ist eine gemütliche Kleinstadt, wo sich jeder zu kennen scheint. Wir besichtigten die kleine Kirche der Stadt, welche mir beim Eintreten den Atem raubte. Ich bin mir sicher, dass ich noch nie in meinem ganzen Leben so etwas Wunderschönes gesehen habe! Sie wurde zur Barockzeit erbaut und leider im 2. Weltkrieg zerstört. Hätte sich nicht ein Pfarrer dafür eingesetzt, dass sie wieder aufgebaut wurde, hätte Ellingen heute nicht mehr diese wunderbare Kirche. Ich traue mich zu sagen, dass sie problemlos mit der Frauenkirche in Dresden mithalten kann, wenn nicht sogar schöner ist. Jedoch war nicht nur die Kirche beeindruckend, sondern auch das prachtvolle Ellinger Schloss, ebenfalls im Barock erbaut, zu dem lauter kleine Gassen mit hübschen, alten Häuschen führen.  Der große Schlossgarten barg so viel Ruhe. Dieses Städtchen war für mich so spektakulär, mit seiner unverdorbenen Schönheit und ich weiß, dass es mich bereits in seinen Bann gezogen hat und ich bald wieder dorthin fahren werde.

Ohne Kamera und Handy

Zufriedenheit, das ist ein spezielles Gefühl, das nicht so oft vorkommt. Eine besondere Erfahrung, die ich selten machen durfte. An einem Ort jedoch schon, auf einem kleinen Feldweg in Italien. Ich stand auf einem Weinberg am frühen Abend,  mit dem Blick auf das kleine Dorf, in dem ich schon mit vier Jahren gewesen war. Es ist nichts Besonderes, aber ich kannte es.  Dort hab ich meine ersten Bilder gemalt, die ersten Muscheln gefunden und meine ersten Worte gesagt. Mit 15 dann dieser Moment der Zufriedenheit, der Vollkommenheit. Die Luft war warm, der Weg war steil. Als ich oben stand, war ich aus der Puste, aber durch den Blick auf den Sonnenuntergang zahlte es sich aus. Ohne Kamera und Handy hielt ich den Moment und das Gefühl in mir fest. Ich war zufrieden mit mir, mit der Situation, mit meinem Leben. Diese Erfahrung war für mich etwas ganz besonderes.

 

Irgendwo in Bordeaux

Schon als Kind bin ich mit meiner Familie im Sommer immer nach Frankreich in ein Ferienhaus gefahren. Für mich ist das der schönste Ort der Welt! Ich verbinde damit Entspannung und Freiheit. Der Geruch, der einem in die Nase steigt, wenn man nach der ewig wirkenden Autofahrt aussteigt und zwischen den Feigen- und Apfelbäumen auf das alte Haus mit den schönen, dunklen Holzfensterläden  zuläuft. Wenn man das Zimmer, das man vor einem Jahr verlassen hat, wieder neu bezieht und sich für die nächsten drei Wochen einrichtet. Sobald alles fertig ist, holen wir die alten, klapperigen Fahrräder aus der mit Efeu umwachsenen Garage und fahren stolz wie Oskar ganz alleine zu dem Haus unserer Großeltern, die wir, seitdem wir in die Schule gehen, eh viel zu selten sehen. Hindurch durch die Weinberge und über den plätschernden Fluss. Wenn die erste Nacht vergangen ist, wird in aller Früh alles zusammengepackt, sich ins Auto gesetzt und zum Strand gefahren. Jedoch nicht in das Gebiet direkt an der Stadt, sondern so weit weg wie möglich, dahin, wo kaum einer sich die Mühe macht hinzufahren, weil es dort ja noch nicht mal die Eisverkäufer hin verschlägt. Der Moment, die Sanddüne zu überqueren bis hinter der Kuppe das weite, blaue Meer mit dem einsamen Strand auftaucht. Die Wärme der Sonne auf der Haut zu spüren, die Zehen in den heißen Sand zu graben und sich rundum zufrieden zu fühlen.

 

Kontraste

Die Einwirkungen der Natur werden immer stärker. Seit ein paar Wochen laufe ich durch Frankreich. Nur wenige Pilger begegnen mir. Ich steige immer tiefer in die Ruhe in mir ein, es existieren in diesen Momenten nur ich und die Natur. Die Pyrenäen stehen als eine eindrucksvolle Wand vor mir. Der erste Wechsel von Ländern rückt näher. Es ist der letzte Abend vor dem Aufstieg.
Auf einmal ändert sich alles. Viele Menschen, die lächeln. Unsicherheit und Aufgeregtheit liegen in der Luft. Ein Gefühl, dass hier ein Wendepunkt auf meiner Reise passiert, ist deutlich. Ich spüre einen Abschluss meines Weges und gleichzeitig den herumschwirrenden Neubeginn.
Das Loslaufen am nächsten Morgen ist grausam! Massen schlängeln sich den Berg hinauf. Ich fühle mich aus meinem Weg herausgerissen. Müll liegt herum. Ich sehe Unachtsamkeit für die Natur. Die Häuser wandeln sich in Pilgerkonsumstätten. Überall wollen die Menschen Geld von einem. Die erste Herberge nach dem Pyrenäenpass kann 300 Menschen beherbergen...

Ich bin geschockt.

 

 

 

Ein Kleinod für Ruhesuchende in der Residenz München

Einer meiner Lieblingsorte in München ist der Kabinettsgarten, der am Rande der Residenz neben der Allerheiligen Hofkirche liegt. Ich habe diesen Ort zum ersten Mal gesehen, als ich dort am späten Abend mit ein paar Freunden vorbeiging.
Dieses Kleinod scheint wenig spektakulär zu sein, jedoch ist der Trubel der Altstadt weit weg, obwohl dieser Ort mitten im Zentrum Münchens liegt. Nur wenige Menschen kennen diesen wundersamen Ort. In einer sehr touristischen Metropole wie München ist so ein Platz, wo ich auf nur sehr wenige Leute stoße, wenn ich mal alleine sein will, etwas Ruhiges, fast etwas Heiliges für mich.
Der Grund dafür, warum ich mich an diesem Ort so wohl fühle, ist, dass er symmetrisch angelegt ist und somit für mein Auge und meine Seele eine perfekte Harmonie darstellt. Man findet dort einen Brunnen, sowie zwei symmetrisch angeordnete Wasserbecken, außerdem spenden einige mächtige und viele kleinere Bäume etwas Schatten. Für mich ist es einfach ein schöner Ort zum Entspannen.

 

Ein Ort, an dem Gefühle sich entfalten können

Die letzten zehn Tage hatten wir sehr viel erlebt: Wir besuchten die typischen Touristenplätze, wie New York City und Washington und überhaupt alles, an das man denkt, wenn es um die USA geht. Doch nachdem wir vormittags die Harvard Universität besichtigt hatten, entschieden wir uns, den Nachmittag an der Küste zu verbringen. Trotz windigem und eher bewölktem Wetter fuhren wir eine knappe Stunde nördlich an einen Strand, der im Internet als „Singing Beach“ beschrieben ist. Er war menschenleer. Da wir keinen Zeitdruck hatten, verbrachten wir den restlichen Tag dort, welcher nach kurzer Zeit sogar auch noch sonnig wurde. An diesem Nachmittag konnten wir eine solche Ruhe empfinden, dass er zu einer meiner schönsten Erinnerungen an Amerika wurde. Dadurch hat sich meine Meinung bezüglich spektakulärer Orten geändert: Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es einfach die Orte sind, an denen sich Gefühle entfalten können und man ungestört  Zeit mit seinen Liebsten verbringen kann.

 

 

Blauer Diamant

Im Segelurlaub mit meiner Familie und meinen Freunden war ich an einem der schönsten Orte, den ich je gesehen habe. Natürlich ist man mit einer 12-köpfigen Segelcrew auf einem Schiff selten allein. Deswegen ist es umso schöner, wenn man sich nach dem vor Anker gehen am Abend ein bisschen von allen entfernen und die Bucht alleine erforschen kann. Als wir am vorletzten Tag auf dem Meer an einer Insel an der Küste Kroatiens anlegten, konnte ich es nicht erwarten, endlich an Land zu gehen, um zu sehen, was mich dort überraschen würde. In der Dämmerung entdeckte in einen Höhleneingang. Doch da es schon spät und zu dunkel war, traute ich mich nicht weiter von der Küste und dem Segelschiff weg, um die Höhle zu erforschen. Nach einer sternenklaren Nacht auf dem Deck des Schiffes wurde ich am nächsten Morgen von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Ich zog mir meinen Bikini an und schwamm durch das türkisblaue Wasser an Land. Die Höhle befand sich an einer kleinen Felswand direkt am Meer und ich musste durch das Wasser zum Eingang waten. Als ich in der kleinen Höhle stand, in der sich höchstens zehn Menschen gleichzeitig aufhalten können, traute ich meinen Augen kaum: Das Wasser leuchtete strahlend Türkis und erfüllte den ganzen Raum mit blauem Licht. Die komplette Höhle leuchtete blau! Zu vergleichen war der Anblick nur mit Bildern aus Filmen, in denen ein riesiger blauer Diamant einen ganzen Raum ausleuchten kann. Das Wasser wurde tiefer und ich trat keinen Schritt weiter, da ich mir nicht sicher war, ob ich noch stehen konnte. Denn auch  der Boden erschien nicht so wie normalerweise in Kroatien, der raue Stein sah aus wie die Oberfläche des Mondes mit tiefen Kratern. Ich setzte mich auf einen Felsen und rätselte, wie die Höhle so leuchten könne, bzw. wo die Sonne in das Innere der Höhle eindringen könne, um so etwas zu ermöglichen. Kurzerhand beschloss ich, meine Familie zu holen, um ihnen diesen wunderschönen Ort zu zeigen. Als wir nach einiger Zeit zusammen die Höhle betraten, erschrak ich: Das intensive Blau, welches ich vor ein paar Minuten noch gesehen hatte, war verblasst. Da wurde mir bewusst, dass die Sonne zu einer gewissen Uhrzeit an genau einem Punkt das Innere der Höhle trifft, um den von mir erlebten  Augenblick zu erschaffen. Das Gefühl, dass nur ich allein dieses Naturschauspiel erfahren durfte, erfüllt mich mit Freude und deshalb werde ich diesen Tag nie vergessen.

 

Feuerwerk der Farben

Als wir endlich ankamen, waren wir müde und mir schwirrte der Kopf von den Erlebnissen der Tage zuvor. Wir hatten endlich unser Zwischenziel erreicht – die Mecklenburger Seenplatte. Eigentlich kein großes Ziel auf meiner Liste, nur ein kleiner Hinweis, der verrät, dass es dort einen schönen Campingplatz geben könnte. Der Platz war tatsächlich wunderschön! Er war mit alten Bäumen umringt und direkt am Wasser. Als ich das Rauschen der Blätter im Wind und das plätschernde Wasser hörte, fiel der Stress der letzten Tage von mir ab. Es war herrlich hier, ich konnte es kaum fassen!  Im Nu hatten wir das kleine Zelt aufgebaut und breiteten auf dem Boden eine Decke aus. Dann machten wir den Grill an und jetzt konnte das Ambiente genossen werden. Ich legte mich auf eine Decke und atmete den Geruch von Grillkohle und Seewasser ein. Schöne Kombination! Dieser Ort war so entspannend und meine Gedanken konnten endlich abschweifen und das Erlebte verarbeiten. Später ging ich am See entlang spazieren und genoss den Sonnenuntergang.  Dabei konnte ich ein Schwanenpaar beobachten, das  seine  vier Jungen offensichtlich in das Im-Kreis-Schwimmen einführte. Zuckersüße, kleine Schwäne waren das und ich nahm mir Zeit, um ihnen zuzuschauen. Dann war es endlich soweit, die Sonne ging unter. Die Farben am Himmel veränderten sich von Blau zu Orange über strahlendes Gold zu Glutrot. Ein wahres Feuerwerk der Farben spielte sich vor mir ab und ich saugte diesen Moment auf wie ein Schwamm.  Ich harrte so lange aus, bis es stockdunkel um mich herum wurde. Dann ging ich zurück und eine heiße Tasse Tee wartete schon auf mich. Der schönste Tag auf einem Campingplatz, den ich je hatte!

 

 

I always wonder why birds stay in the same place when they can fly anywhere on earth.
Then I asked myself the same question. - Harun Yahya 

Fernweh. Reisen. Freiheit. 

Mein nächstes Abenteuer beginnt. 

Wir sitzen im Auto und ich spüre dieses Verlangen nach etwas Neuem. Wir quatschen, lachen und genießen unsere eiskalten Cappuccinos. Es ist wahnsinnig heiß, ich genieße jeden einzelnen Sonnenstrahl auf meiner Haut. Der Himmel ist strahlend blau. Ich lasse das Fenster herunter und der Wind fegt durch meine Haare. Plötzlich merke ich, wie die Autos vor uns immer langsamer werden. Die Warnblinkanlagen gehen an. Es bildet sich ein langer Stau auf dem Brenner. Alle wollen im August nach Italien - war doch klar! Wir können nur erahnen, dass das ein langer Tag werden würde. Die Menschen in den Autos sehen total genervt aus. Kann man's ihnen verübeln? Ja, man kann! Wieso sind die denn alle so schlecht gelaunt? Wir sind doch schließlich auf dem Weg in den Urlaub! Da lässt man sich doch von ein bisschen Stau nicht runterziehen! Man muss nur versuchen, das Negative in etwas Positives umzuwandeln. Denn genau dieser Stau war dafür verantwortlich, dass ich einen der besten Tage in meinem Leben erfahren durfte. Vor lauter Enthusiasmus und Energie kam uns der perfekte Plan in den Sinn: Sonnenbrille auf. Fenster runter. Musik aufdrehen. Gibst es überhaupt jemanden, der bei Spicegirls-Wannabe, keine gute Laune bekommt? Gott, hatten wir einen Spaß! Wir sangen so laut mit und tanzten zur Musik, wie es im Auto nur möglich war. Skeptische Blicke trafen uns von allen Seiten. Bis ein kleiner Transporter neben uns hielt, wo nur Senioren drin saßen. Eine alte Frau schaute rüber und grinste von einem Ohr bis zum anderen. Sie sagte etwas. Und auf einmal fingen alle Senioren an, mit uns zu tanzen! Wir pusteten Seifenblasen aus dem Fenster und sie freuten sich wie kleine Kinder. Immer mehr Autofahrer um uns herum fingen an, mit uns zu tanzen und zu singen. Ich fühlte mich so frei und unbeschwert. Als es dann langsam weiterging, fuhren die Autos extra langsam an uns vorbei, um unsere Showeinlage nicht zu verpassen. Ich kam aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Und wer findet Staus jetzt immer noch so furchtbar?

 

Brimham Rocks

Es war ein Sonntag im Januar und es regnete. Trotzdem folgten meine Gastschwester und ich der Einladung eines englischen Freundes, ihn auf einen Ausflug zu begleiten. Wir fuhren aufs Land. Vorbei an sattgrünen Wiesen, welche mit kleinen Steinmäuerchen unterteilt waren (ja, ein wenig Klischee darf sein). Auf dem Parkplatz angekommen, hatte sich der Regen in leichten Nieselregen verwandelt und wir machten uns guter Dinge auf den Weg durch den National Park. Unser Ziel war uns allerdings immer noch unbekannt – wir sollten uns überraschen lassen.

Ob es nun am Wetter oder generell an der Jahreszeit lag, ich weiß es nicht, aber wir waren weit und breit allein. Nur einer forderte als Begleiter unsere Aufmerksamkeit: Der Nebel. Und der wurde zunehmend dichter. Wir liefen weiter. Bald verschwand der Trampelpfad unter unseren Füßen unter einer dichten und feuchten Moosschicht. Es gab nur kleine Büsche und struppige, dunkle Gräser um uns herum. Und den Nebel. Und der wurde dichter und dichter und dichter (Ich bin im Dachauer Moos aufgewachsen - ich dachte, ich kenne dichten Nebel!) Elliot, unser Freund, aber meinte, er kenne sich aus, also trotteten wir hinter ihm her und genossen die Natur, die herrlich unberührt schien. Langsam veränderte sich der Boden. Zwischen dem Moos kamen flache, aber riesengroße Steine hervor, teilweise mit wassergefüllten Mulden darin. Dieses Wasser war glasklar. Auch der Nebel wurde etwas lichter und karge, dünne Ästchen von Bäumen kamen wieder in unser Sichtfenster. Und plötzlich sahen wir auch das Ziel unseres Ausflugs: Aus dem Grau tauchte nun ein riesiger Steinkoloss hervor. Als wir näherkamen, entpuppte sich dieser Koloss allerdings als Formation. Vier Steine lagen geschichtet aufeinander. War das physikalisch überhaupt möglich? Denn der größte lag ganz oben! Der Wahnsinn - anders kann ich es selbst heute nicht beschreiben. Und diese Steinformation war nicht die einzige. Mehr und mehr tauchten aus dem Nebel auf. Manche so groß wie ein Schiff, manche so spektakulär wie ein Kunstwerk. Auf manche konnte man klettern und manche hatten Höhlen zum durchkriechen. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich auch, dass die meisten Gebilde sogar aus nur einem Stein bestanden, welcher durch die Erosion von Wind und Wasser über Jahrhunderteseine bemerkenswerte Form angenommen hatte. Mit dem sich lichtenden Nebel kam auch nach und nach die Sonne zum Vorschein und brachte plötzlich unsere Position hervor – wir waren auf einer Hochebene und vor uns ein wunderschönes, nun sonnengeflutetes Tal. Die Sonne löste die letzten Nebelreste auf und schenkte uns dadurch eine gigantische Weitsicht über North Yorkshire. Aber sie brachte uns auch noch etwas anderes: viele, viele weitere Besucher. Die waren laut und wuselig und schon war der Zauber verflogen!

  

 

Singing in the rain

Mir wurde schon öfter gesagt, dass ich zu strahlen anfange, wenn ich über meine Heimatsstadt Landshut rede. Und ich denke, ich kann nicht widersprechen. Ich habe meine Stadt lieben gelernt und seitdem ich wegen der Ausbildung nach Augsburg ziehen musste, vermisse ich ,,mei Dahoam‘‘ noch viel mehr.

Letztes Wochenende war Stadtspektakel in Landshut. Ein Freund und ich fuhren deshalb in die Stadt und als wir in die Altstadt schlenderten, waren wir überrascht von den Menschenmassen: Überall spielten Straßenmusiker, kleine Bands und Akrobaten zeigten, was sie konnten. Am späten Abend begann es zu regnen und die Altstadt wirkte auf einen Schlag leer. Jeder verkroch sich in Kneipen, Diskos und Restaurants, außer mein Kumpel und ich. Wir liefen durch den Regen und tanzten zu der Musik, die rechts und links aus den Diskotheken in den Seitengassen hallte. Wir waren pitschpatschnass, aber das war uns egal. Einfach nur die Leere der Stadt genießen und sich frei fühlen!

 

Brombeeren in Gedser

Wenn man einen Ort bereisen will, der noch nicht von Menschen überlaufen ist, ist es prinzipiell eine gute Idee, sich in Richtung Norden zu orientieren. Der Durchschnittstourist macht lieber in warmen als in kalten Gebieten Urlaub.

Ich habe vor ungefähr eineinhalb Jahren den Plan aufgestellt, einen Wanderurlaub in Dänemark zu machen. Bewusst ohne genaue Route und große Vorinformationen. Als meine Begleiterin und ich mit der Fähre von Rostock nach Gedser übergesetzt waren und wesentlich später ankamen als wir gedacht hatten, fiel uns ein Problem auf: Dunkel, kalt, irgendwo in Dänemark und niemand auf der Straße, den wir nach dem Weg hätten fragen können, hatten wir keine Ahnung, wie wir zu unserer Übernachtungsmöglichkeit kommen sollten! Nachdem wir ein paar Minuten umhergeirrt waren, kam ein dänisches Paar auf uns zu. Sie fragten uns sofort, ob wir Hilfe brauchten. Das war der Moment, in dem ich mich in Skandinavien verliebt habe...

Wir hatten in der letzten Nacht, in einer Rostocker Jugendherberge, von einer sogenannten „Naturschule“ gelesen. Ein, so hieß es, sehr günstiger Campingplatz. Das sprachlich für uns schwer zu verstehende, aber unglaublich nette Paar konnte uns nicht nur den Weg zu unserem Campingplatz weisen, sondern bot uns auch umgehend ein Nachtquartier bei sich zu Hause an. Da wir ihnen aber nicht zur Last fallen wollten und uns schon auf die „Naturschule“ gefreut hatten, brachen wir nach einer herzlichen Verabschiedung in die Dunkelheit auf. Kaum waren wir einige Minuten unterwegs und uns schon nicht mehr sicher, ob wir noch auf dem beschriebenen Weg waren, kamen aus der Dunkelheit zwei Fahrräder auf uns zu. Das dänische Paar! Sie hatten Angst, dass wir uns verlaufen könnten und wollten noch einmal nach uns sehen. Wenn man nicht dort gewesen ist, kann man nicht glauben, wie nett die Dänen sind! Schließlich erreichten wir mit der aufgefrischten Beschreibung und ein paar im Halbdunkel spontan entschiedenen Abzweigungen doch noch unser Ziel.

Die „Naturschule“ entpuppte sich tatsächlich als Schulungsort für Klassen und andere Interessierte. Wir wurden von einem anderen Camper empfangen und eingewiesen: „Sucht euch einen freien Platz oder nehmt euch einen Shelter (Eine hundehüttenartige, vorne geöffnete „Campinghütte“) und bedient euch am Wasser, bezahlen braucht ihr nichts, das ist kostenlos.“

Wir waren sprachlos, ein wunderschöner, direkt am Meer gelegener Campingplatz, mit fließendem Wasser und das alles kostenlos.

Natürlich war unsere Nacht kurz, nachdem wir  unser Zelt aufgebaut und eine Kleinigkeit gegessen hatten und endlich mit dem sanften Rauschen des Meeres in den Ohren einschlafen konnten. Nachdem uns am nächsten Morgen dieselbe rauschende Strömung wieder geweckt hatte und wir gefrühstückt hatten, brachen wir zu einem Spaziergang entlang der Küste auf. Als wir die felsige Küste erreichten, gingen wir immer am Meer entlang. Weit und breit war kein einziger Mensch zu sehen, wir waren allein mit Meer, Strand und Natur.

Als ob diese unbeschreiblich schöne Ruhe, an der Küste zu sitzen und den Blick übers Meer schweifen zu lassen  nicht gereicht hätte, erwartete uns ein noch schöneres Erlebnis: Nachdem wir alle Kräfte am Strand aufgeladen hatten, traten wir den Rückweg über einen Wald an. Wir gingen einen wunderschönen Weg entlang und stießen auf einen Brombeerstrauch, an dem die größten Brombeeren wuchsen, die ich je gesehen habe. Natürlich pflückten wir uns einige und gingen zurück zum Campingplatz, auf dem wir inzwischen allein waren. Warum nicht Nutella aus der Tube auf ein Brot streichen und die Brombeeren darauf verteilen? Fertig war eine Geschmacksexplosion, wie ich sie vorher noch nicht und nachher nie wieder erlebt habe.

Wir sind anschließend noch einige Tage in Dänemark gewandert, haben Einheimische kennengelernt, auf Busse gewartet, die nicht kamen, haben herausgefunden, warum Dänemark das Campen so sehr fördert, wir sind das erste Mal per Anhalter gefahren und haben das Land lieben gelernt. Aber die Erlebnisse in Gedser, Dänemarks südlichstem Punkt, zaubern mir bis heute ein Lächeln aufs Gesicht.

 

   
Bildquelle: privat

 

Die Ostsee

Schier endlose Weiten.
Dünen in der Ferne
Und der Geruch nach Meer.
Ein Zaun folgt der Küste,
Wird kurz unterbrochen,
Zeigt eine Treppe.
Meine Schritte folgen dem Blick.
Stufen knarzen.
Jeder Zeh gräbt sich in den Sand,
Fühlt die Kälte,
Das Wasser
Und ich erkenne,
Was Freiheit ist.

 

Ganz von der Natur umgeben

Eine besondere Erfahrung habe ich an einem Hügel in der Nähe meines Dorfes erlebt. Freunde und ich gehen dort zu jeder Jahreszeit spazieren und rennen den Hügel herunter. Es gefällt mir dort so gut, weil es ein bisschen aussieht wie in einer anderen Welt, durch den Wald und die vielen Felder. Außerdem ist es dort ziemlich ruhig und entspannt, da wir die Einzigen sind, die dort immer hinlaufen. Obwohl in der Nähe eine Kraftfahrstraße ist, kann man die Autos nicht hören, was den Ort besonders bleiben lässt. Im Winter kann man dort sogar Schlitten oder Ski fahren. Dann sieht es aus wie eine eigene verzauberte Winterlandschaft. Wenn wir an diesem Ort sind, setzen wir uns immer auf eine Bank und genießen die schöne Aussicht und die Ruhe. Meistens gehen wir dann auch noch durch den Wald und umgeben uns ganz mit der Natur.

 

Ein warmer Frühjahrstag im Allgäu

Im Tal blühte und grünte es bereits, während auf den Bergen noch der weiße, glitzernde Schnee lag. Ein perfekter Wandertag! Als ich nach einiger Anstrengung endlich den Gipfel erreichte und sich zwischen den eingeschneiten Bäumen der Blick ins grüne Tal auftat, wurde ich von diesem Kontrast förmlich überwältigt: Eiskalt bläulich glitzernde Fichten zu beiden Seiten, ein schneebedeckter Steilhang dazwischen und im Hintergrund das frische, grüne Tal. Dieser Moment war einfach wunderschön und ich werde ihn nie vergessen.

 


Bildquelle: privat

 

Überraschende Ruhe

Ein Ort, welcher mich durch seine überraschende Ruhe beeindruckte und deshalb spektakulär für mich wurde:  Ellingen, eine kleine Stadt in Franken, so ruhig und unberührt. Kein Tourismus hat diese Stadt zerstört. Es war ein Feiertag, als wir in die Stadt fuhren und ich war mir sicher, dass wir dort von Menschen überrannt werden würden. Doch die Überraschung war groß: Außer uns war keine einzige Seele auf der Straße. Ich fühlte mich sofort heimisch, denn Ellingen ist eine gemütliche Kleinstadt, wo sich jeder zu kennen scheint. Wir besichtigten die kleine Kirche der Stadt, welche mir beim Eintreten den Atem raubte. Ich bin mir sicher, dass ich noch nie in meinem ganzen Leben so etwas Wunderschönes gesehen habe! Sie wurde zur Barockzeit erbaut und leider im 2. Weltkrieg zerstört. Hätte sich nicht ein Pfarrer dafür eingesetzt, dass sie wieder aufgebaut wurde, hätte Ellingen heute nicht mehr diese wunderbare Kirche. Ich traue mich zu sagen, dass sie problemlos mit der Frauenkirche in Dresden mithalten kann, wenn nicht sogar schöner ist. Jedoch war nicht nur die Kirche beeindruckend, sondern auch das prachtvolle Ellinger Schloss, ebenfalls im Barock erbaut, zu dem lauter kleine Gassen mit hübschen, alten Häuschen führen.  Der große Schlossgarten barg so viel Ruhe. Dieses Städtchen war für mich so spektakulär, mit seiner unverdorbenen Schönheit und ich weiß, dass es mich bereits in seinen Bann gezogen hat und ich bald wieder dorthin fahren werde.

 

Dem Himmel so nah


Bildquelle: privat

Das perfekte Beispiel für meine Erfahrungen an weniger spektakulären und somit auch weniger überlaufenen Orten sind die Berge. Aber nicht alle, sondern diejenigen, die man nur mit anstrengendem und weitem Fußmarsch und nicht mit der Bergbahn oder dem Auto erreichen kann. Denn die leicht erreichbaren sind schon wieder spektakulär und somit maßlos überfüllt.Sie sind an schönen Tagen genauso vom Tourismus überrollt wie jede Art von Sehenswürdigkeit. Die Touristen, beispielsweise im Allgäu, können bei bestimmten Buchungskonditionen kostenlos, so oft sie möchten, mit der Seilbahn rauf und runter fahren. Dies wird natürlich auch wahrgenommen, wobei es sich häufig nur um eine Fahrt nach oben handelt, um dort eine Tasse Kaffee zu trinken.

Ganz im Gegenteil dazu stehen die Berggipfel, an denen man nur wenige Menschen antrifft. Der Weg dorthin ist zwar meistens mit einem langen und beschwerlichen Fußweg oder gar einer Kletterei verbunden, aber dies lohnt sich allemal! Nicht nur, wenn man auf dem Gipfel angekommen ist, verspürt man ein unglaubliches Gefühl von Freiheit und Abgeschiedenheit, sondern schon auf dem Weg nach oben ist es viel angenehmer, als wenn man sich inmitten eines Menschenstroms befindet.

Eine meiner bisher gigantischsten Erfahrungen an so einem einsamen Ort war die Wanderung auf das Hohe Licht (2651m) in den Allgäuer Alpen. An einem sehr nebligen Tag im August bin ich in Begleitung von drei Freunden menschenseelenallein zum Hohen Licht unterwegs gewesen. Es war sehr kalt und zweitweise kam, je weiter wir hochstiegen, auch die ein- oder andere Schneeflocke vom Himmel. Als wir oben angekommen waren, war der Nebel so dicht, dass wir nicht einmal mehr unsere eigene Hand vor Augen sehen konnten. Nachdem wir nun aber eigentlich schon wieder auf dem Rückweg waren, riss vom einen auf den anderen Moment der Himmel einen kleinen Spalt auf und die Sonne strahlte uns mit aller Kraft ins Gesicht. So nahe dem Himmel, vollkommen glücklich und frei habe ich mich in meinem Leben nur sehr selten gefühlt und dieses Erlebnis wird mir auch auf ewig in Erinnerung bleiben.


Bildquelle: privat

 
Ein traumhafter Moment

Um Schönes zu erleben sind kein Geld, kein bekannter Ort oder irgendwelche berühmten Bauwerke nötig. Was allein zählt ist das Gefühl von Freiheit, Schönheit und Spaß am Erleben des Moments. Darum sollten wir uns reichlich überlegen, ob es überhaupt immer nötig ist, weite Reisen in ferne, von Touristen überflutete Länder anzutreten, obwohl wir auch ganz in der Nähe wunderschöne Momente erleben können:

Es war ein kühler und sonniger Wintermorgen. Über Nacht hatte es 10 cm geschneit, traumhafter Pulverschnee!  Morgens um 9 Uhr begann ich meine tägliche Laufrunde, welche von meinem Haus über einen Kiesweg zum Waldrand führt. Ich stapfte durch den unberührten Schnee, bei jedem Schritt zog ich meinen Fuß wieder unter der Schneedecke hervor und schleuderte die feinen Schneeflocken umher. Als ich am Waldrand an einer Anhöhe ankam, schaute ich in das nächste Tal hinunter und sah dort die Schneeflocken in der Sonne glitzern. Es war ein traumhafter Moment!

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