Dirndl und Lederhose: Hoffnungslos verstaubt oder angesagt wie nie - wie junge Leute heute die Trachtentradition sehen. Die letzten Tage des Oktoberfestes stehen bevor. Im Hofbräu Festzelt sitzt Marcel aus Garmisch-Partenkirchen zusammen mit seinen Freunden. Die Maßkrüge schlagen zusammen, die weiße Schaumkrone schwappt über die Gläser.  An dem Tisch ...

herrscht eine Riesenstimmung, die Luft dampft, es wird ausgelassen gefeiert. Auf der Bühne steht eine Blaskapelle. Zu hören sind Volksmusik und Schlager, viele Gäste tanzen begeistert dazu. Einige sind sogar auf die Holzbänke und -tische geklettert, um dort zu feiern. Marcel und seine Freunde haben sich schick in Schale geworfen. Sie tragen Lederhosen, karierte Hemden, derbe Wollstrümpfe. Die Frauen sind in Dirndl und Blusen erschienen. Wirft man einen Blick über das brechend volle Zelt, stellt man fest: Nahezu alle tragen Tracht.
Auf unsere Frage, warum er sich so angezogen hat, meint Marcel: “Mei, des schaut einfach zünftig aus! Außerdem steht doch jedem Madl so a fesches Dirndl.“
Marcel ist bei Weitem nicht der Einzige, der diese Meinung vertritt. Viele junge Menschen finden nicht nur, dass die Tracht gut aussieht, sondern sie wollen beim Feiern dadurch ein Gemeinschaftsgefühl spüren.


Geht man in der Geschichte zurück, stellt man fest, dass die Tracht ursprünglich ganz andere Funktionen hatte. So unterschied man früher bei der Tracht zwischen praktischer Arbeitskleidung und dem guten Sonntagsgewand. Damals wurde sie aufwendig in Handarbeit gefertigt. Heute werden Dirndl und Lederhose zumeist in Massenproduktion in Fernost hergestellt.
Marco Weidemann, Geschäftsführer der Firma „Lanka Leather“, hat sich in Sri Lanka auf Lederhosenproduktion für den europäischen Markt spezialisiert. Er produziert vor allem für die große Nachfrage der Jugendlichen mit dem kleinen Geldbeutel. Seit der Fußball-WM 2006 boomt das Geschäft mit Lederhosen wie nie zuvor. Offenbar haben die jungen Deutschen seitdem ein anderes Gefühl zum eigenen Land und seinen Traditionen. Dazu zählt auch die Tracht, die nicht mehr als altertümlich abgetan wird.
Heute gibt es sogar immer mehr Modedesigner, die sich neue Dirndl-Modelle ausdenken. Sie reagieren damit auf die wachsende Nachfrage. Allerdings entfernen sich manche Kleider immer weiter vom traditionellen Muster. Schulterfreie Dirndl-Blusen, Röcke nicht einmal bis zum Knie, knallbunte Farben: Das sieht man auf dem Oktoberfest ständig. Das hat leider überhaupt nichts mit der Tradition zu tun. Heute wollen die Frauen sexy aussehen, das widerspricht jedoch der hochgeschlossenen, meist knöchellangen, ursprünglichen Frauentracht. Früher war es unmöglich, soviel Haut zu zeigen, in der Tracht ging man in die Kirche, auf Familienfeiern, auf Hochzeiten ebenso wie auf Beerdigungen.
Es wird sich zeigen, ob die neue Liebe zur Tracht nur eine vorübergehende Trendwelle der Jugendkultur ist, die schon ihren Höhepunkt erreicht hat. Möglicherweise ebbt sie auch bald wieder ab. Oder wird sich tatsächlich eine neue Tradition daraus entwickeln, etwas Beständigkeit in unserer so schnelllebigen Zeit?

Juliana Seisenberger, Paula Wendler, Simon Unger, Sandra Steinwender

  

 

Keine alten Zöpfe - Frisurenkreationen der GK2 zum Dirndl

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