Gehst Du mit ins Kino? Das kennen wir, ein spontaner Anruf und schon sitze ich im Wohnzimmerkino in Augsburg.

 

Rezension von Nina Rodenhauser

 

Für diejenigen, die Augsburg nicht kennen: Es ist das kleine Savoy am Schmidberg.
FRANKOFONIA, der Titel des Films. Um was es geht? Komödie, Thriller, Dokumentar?

Ich höre zu Beginn des Films russische Sprache ohne Bild. Deutsche Untertitel zum Gesprochenen. Wellen, Sturm, ein Schiff, düstere Untergangsstimmung, zwei Männer über Funk. Die Überraschung ist groß.  

 

FRANKOFONIA führt uns in die Welt der Kunst, in das Museum Louvre in Paris. Es geht um den Erhalt der Kunst, der Bilder, der Skulpturen. Der Louvre, ein Museum, das Kunst bewahrt, aber eben nicht nur das. Die ehemalige Residenz der französischen Könige ist mehr als ein Ort der Aufbewahrung. Alexander Sokurov, der bekannte russische Regisseur, zeigt dem Zuschauer auf eigenartige Weise die Geschichte dieses Museums, übrigens das drittgrößte auf der Welt. Neben dem Louvre sind im Vordergrund die Persönlichkeiten Jacques Laufrad, der Direktor des Louvre, und Graf Wolff-Metternich, einer der Repräsentanten der Besatzungsmacht. Beide Persönlichkeiten kämpfen für den Erhalt und Schutz der Kunstwerke. Napoleon und Marianne schweben wie Geister begleitend durch den künstlerisch gestalteten Film.


Alexander Sokurow schreibt:
„Ein Weg, den wir alle gegangen sind. Francofonia ist kein historischer Film im klassischen Sinne. Mir geht es nicht um eine wissenschaftliche Annäherung, auch wenn es mir wichtig ist, dass die historischen Fakten im Detail stimmen. Ich hatte kein politisches Anliegen, sondern ein eher künstlerisches. Genauer gesagt: Ich wollte ein Bewusstsein vermitteln, ein Gefühl für eine Zeit, für deren Intonation und Sprache, anhand der Biographien meiner Figuren.“ 1*

Ganz sicherlich hätte ich mehr verstanden, wenn ich mich über den Film vorher informiert hätte, mir genaueren geschichtlichen Überblick verschafft hätte, über die zwei Protagonisten mehr gelesen hätte. So habe ich unvoreingenommen den Film besucht. Etwas angestrengt habe ich den Film verlassen, aber mit großer Neugierde mehr wissen zu wollen. Gedanken zu heutiger Kunstaufbewahrung und Erhaltung haben sich aufgetan. Verletzungen und Zerstörungen an Kunstgütern im heutigen Syrien, ich denke an die täglichen Nachrichten über dieses Land. Wie wichtig ist es, Kunst zu erhalten, wenn das menschliche Leben gleichzeitig daneben im Graben liegt und mit dem Tode kämpft. All diese Themen sind aufgetaucht. Aber auch zu sehen, dass die Überzeugung von menschlichen Leidenschaften die antreibende Energie ist,  Kunst und Kulturgut auch in extrem außergewöhnlichen Zeiten zu erhalten. Ein anregender Film für ein Gespräch danach. Zuhause werde ich nachlesen.
„Gehen wir noch auf einen Kaffee?“ „ Unbedingt - nach FRANCOFONIA.“

Mehr zum Film und dem Regisseur Alexander Sokurov über
www.francofonia.de

 

 

 


Quellenangabe: 1*: Zitat entnommen aus dem Flyer zum Film

 

 

 

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