Ein Interview mit Michael Schalk, alias „Der Poet“

 

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Was hast du vor deiner Ausbildung als Fachlehrer gemacht?

Ich hab schon, als ich noch ein Kind war, gewusst, dass ich gerne etwas Handwerkliches machen möchte. Da war der Beruf des Schreiners naheliegend, daher habe ich nach der Realschule eine Ausbildung gemacht und in diesem Beruf noch ein Jahr als Geselle gearbeitet. In dieser Zeit konnte ich mein Wissen ausbauen und weitere Erfahrungen sammeln. Wegen der Verantwortung und des Drucks in der heutigen Wirtschaftswelt hab ich dann aber gemerkt, dass dieser Beruf doch nichts für mich ist.

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Da ich schon früh gemerkt habe dass ich viel Spaß dabei habe, mein Wissen weiterzugeben und in der Wirtschaftswelt eher fehl am Platze bin, kam ich auf die Fachlehrerausbildung am Staatsinstitut. Dort wurde mir nun schnell bewusst, dass das genau das Richtige für mich ist. Hier kann ich das Handwerkliche mit dem Künstlerischen und Kreativen verbinden.

Welche Gedanken hast du dir zu den Texten für den Poetry Slam  gemacht?

Ich hatte drei kurze Texte, durch Zufall ist ein Zyklus daraus entstanden. Es geht darum, dass man sich für sein eigenes Leben bewusst entscheiden muss, da es schnell passieren kann, dass man an seinem eigenen Leben vorbeilebt. In meinem Leben zum Beispiel geht es zu 70% um Kunst, Kultur und Politik. Ich beschäftige mich mit ziemlich vielem. Dieses Jahr war ich in Kenia für ein Entwicklungshilfeprojekt und habe eine Organisation unterstützt, die dort Schulen aufbaut und Ausbildungen fördert.

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Was möchtest du in deinem weiteren Leben noch gerne schaffen?

Ich möchte mich natürlich in dem, was ich bis jetzt schon kann, noch verbessern. Dazu hoffe ich auch, dass ich durch meine zukünftige Lehrertätigkeit Kinder und Jugendliche für Kultur und Kunst begeistern kann.

Was ist für dich außerdem wichtig?

Für mich ist es wichtig, dass Kunst und Kultur in den Alltag übergehen sollten. Wenn ich zum Beispiel mit Freunden zusammen sitze, habe ich immer etwas zum Schreiben und zum Zeichnen dabei, damit ich Momente, die mich faszinieren oder interessieren, festhalten kann. Ich bin kein Mensch, der sagt, dass sich Kunst und Kultur aufdrängen sollen, sondern dass sie einfach selbstverständlich sind. Was ich mir auch wünschen würde ist, dass Kinder und Jugendliche einen besseren Draht zu ihrer  Kreativität finden, da das meiner Meinung nach unglaublich wichtig für die persönliche Entwicklung ist. Durch das künstlerische Schaffen kann man sich selber finden und erkennen, der Charakter wird durch dadurch, dass man sich seines Selbsts klar bewusst wird, enorm gestärkt.

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Interview: Felicitas Schwarzensteiner

 

Michael Schalk beim Poetry Slam 2016

 

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Wie fühlt sich Unendlichkeit an? - Poetry Slam 2016

Am 30. April 2016 war es endlich soweit: Nach wochenlangem Hinfiebern auf diesen Tag, starteten wir am Samstag unsere gemeinsame Reise nach Rosenheim. Dort fand zum ersten Mal ein Poetry Slam in der Theaterinsel statt. Und unser Klassenpoet, Michael Schalk, durfte als Slammer daran teilnehmen! Zu diesem Ereignis, konnten wir ihn ja nicht einfach alleine fahren lassen und so wurde eine 'kleine Klassenfahrt“ daraus. Nach einer zweistündigen Fahrt, die sehr amüsant war, waren wir endlich am Ziel angekommen. Die Location in Rosenheim war total toll hergerichtet worden: überall waren Stühle und Matratzen verteilt, es gab eine kleine Getränkebar und sogar ein DJ-Pult. Mit der Zeit füllte sich der Raum und wir konnten es kaum abwarten, bis das Programm begann. Ich war ganz besonders aufgeregt, da ich zum ersten Mal bei so einem Event dabei war.

Mit seiner offenen Art begeistert er das Publikum von der ersten Minute an

Um 20 Uhr hatte das lange Warten endlich ein Ende: Nach einer kurzen Begrüßung und einem Überblick über den Abend, stand der erste Slammer schon in den Startlöchern. Es wurde über ganz unterschiedliche Themen geredet, von Politik bis hin zu alltäglichen Problemen war alles vertreten. Besonders toll fand ich, dass es keine Altersbegrenzung gab, die jüngsten Kandidaten waren 12 und der älteste 75 Jahre alt. Nach jedem Auftritt, wurde der Slammer von einer davor gewählten Jury bewertet. Aber wie bewertet man nur so einen Auftritt? Das waren teilweise richtig schwierige Entscheidungen und ich war froh, dass ich nicht in der Jury saß! Nach der zweiten Pause war nun endlich unser Michi an der Reihe. Mit seiner offenen und fröhlichen Art begeisterte er das Publikum von Anfang an. Er hatte drei Texte mitgebracht und faszinierte uns von der ersten Minute an.

Man fängt an nachzudenken und zu philosophieren

Beim Poetry Slam geht es nicht nur um den selbstgeschriebenen Text, sondern auch darum, wie man ihn vorträgt. Und Michi verleiht seinen Texten einen ganz besonderen Ausdruck. Vor allem sein zweiter Text hat mich zutiefst berührt. Das Schöne an so einem Event ist, dass man total gefesselt wird von den Texten, und anfängt, darüber nachzudenken und zu philosophieren. Nach dem letzten Slammer war die Siegerehrung an der Reihe. Unser Michi erreichte den 4. Platz von insgesamt 15 Kandidaten und das bei seinem ersten Auftritt! Wir waren alle unglaublich stolz und applaudierten wie wild. Das war wirklich ein besonderer und gelungener Abend. Auf unserer Heimreise nach Augsburg, grübelte ich noch etwas nach und stellte fest, dass Poetry Slams etwas wirklich Einzigartiges sind. Sie vereinen viele unterschiedliche Menschen für einen kurzen Moment. Und an diesen Momenten fängt eine kleine Unendlichkeit an.

Text: Susanna Müller

 

Gedanken zum Poetry Slam

„Hey hast du Lust bei einem Poetry Slam mitzumachen?“ „Ja klar.“
„Halt. Wozu habe ich gerade zugesagt? Ich soll auf einer Bühne stehen, vor einem wildfremden Publikum, in irgendeiner Stadt und eigene, sehr persönliche Texte vortragen, oder besser gesagt, performen. Ok Michi, du hast das noch nie gemacht, hast noch keine Ahnung welche Texte du vorträgst und überhaupt keine Idee wie man Gedichte wie du sie schreibst „performen“ könnte. Aber vielleicht zuerst ein Thema. Ja ein Thema worüber du schreiben willst, das wäre ein guter Anfang. Liebe? Nein. Trauer? Nein. Irgendwas politisch hoch Brisantes? Definitiv nein.
Aber vielleicht …
Ein Moment, wie kann man einen Moment einfangen? Eigentlich besteht ein Leben doch nur aus Momenten. Wenn man einen Moment einfangen könnte, dann könnte man vielleicht versuchen, das Leben einzufangen. Ich glaube, das Thema will ich auf die Bühne bringen. Aber ein Gedicht ist zu wenig, es muss ein Zyklus werden. Ein Zyklus über Momente und wie man mit ihnen umgehen sollte.“
Nachdem ich bis zum Tag des Slams an meinen Texten gefeilt habe und es gerade so geschafft habe, sie auswendig zu lernen, hatte ich keine Zeit mir über einen wichtigen Punkt Gedanken zu machen. Passen meine Texte überhaupt auf die Bühne eines Poetry Slams.
Eine Veranstaltung, auf der mit vollem Körpereinsatz meist witzige Texte präsentiert, vorgetragen und aufgeführt werden. Ein Kultur- und Literaturevent, bei dem man unmittelbar nach seinem Auftritt, direkt vom Publikum bewertet wird.
Kurz gesagt. Ja. Alle Texte funktionieren auf einer Poetry Slam-Bühne. Nach meinem Auftritt in Rosenheim bei der Theaterinsel, weiß ich, dass man mit jedem Text auftreten kann und sollte.

Der Poet

 

 


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