Als Abschluss des Medienprojekts in den Gruppen W1 und W4 las die Jugendbuchautorin Margit Ruile aus ihrem neuen Roman God´s Kitchen. Wenn wunderbare Sprachbilder auf ein digitales Kommunikationsmedium treffen.


Die Jugendbuchautorin Margit Ruile hat sich bereit erklärt, bei uns am Staatsinstitut eine Lesung zu halten. Darauf und auch auf die anschließende Diskussion haben wir uns sehr gefreut. Der Dialog mit ihr war so interessant für uns wegen des Themas der Lesung und des Projekts, das all dem zu Grunde liegt: Die Gruppen W1 und W4 beschäftigten sich im Deutschunterricht von Gabriele Smekal seit einigen Wochen mit der zunehmenden Digitalisierung und den daraus folgenden Möglichkeiten und Gefahren. Dabei setzten sich die Studierenden neben zwei Werken von Manfred Spitzer auch intensiv mit den Romanen Deleted. Traue Niemandem und Dark Noise von Margit Ruile auseinander, die ja immer einen kritischen Blick auf die Welt, die Gesellschaft und aktuelle Themen wie die Digitalisierung wirft.

Nachdem Frau Ruile leider aus gesundheitlichen Gründen unvorhergesehen daran gehindert wurde,  persönlich bei uns zu lesen, hat sie unglaubliche Spontanität und Improvisationsfähigkeit gezeigt: Warum nicht via Skype lesen und diskutieren? Einfach mit allen Konventionen einer Lesung brechen, die neuen Medien nutzen und sehen, was das mit Stimmung, Atmosphäre und dem persönlichen Dialog anstellt, der eine literarische Lesung sonst so spannend macht. Wenn man all diese Fragen unter dem Thema unseres Projekts betrachtet, kommt natürlich noch eine weitere spannende Ebene hinzu: Medienkritische Texte via Skype lesen, weil es die neuen Medien möglich machen anwesend zu sein ohne anwesend zu sein?

Ich war begeistert von einer wunderbaren Autorin, die mit Charisma und herzerwärmendem Lächeln spannende, verführende, fordernde, visionär dystopische, bannende Texte gelesen, gelebt hat. Aber wem hat sie vorgelesen? Uns? „Ich sehe nur mich selbst. Ich kann euch nicht hören!“,  hat sie zwischendurch in ihre Lesung einflechten müssen. Irgendwie hat sich zwischen uns, dem Publikum, und der Autorin eine neue Ebene geschobent, eine ungreifbare, den Raum diffus filternde. Eine Ebene, die sich als flimmerndes Rechteck auf der raufaserstrukturierten Wand des Seminarraums abzeichnete.

Gedankengewitter

Wie Elektronen durch Netzwerkkabel
Ziehen Blitze über flackernde Flächen
Blitze durch spontan geniale Gedankengänge
Sie lassen Ideen aufleuchten
Hell elektrisierende Ideen
Gefasst
Gebannt
Auf Bildpunkten in Pixelgrößen
Ideen, die ein Weltbild ins Wanken bringen
Ideen einer Frau
Ideen einer Generation

Margit Ruile hat auch mich ins Wanken gebracht und ich will bestimmt mehr, aber hoffentlich das nächste Mal bei einer analogen Lesung. Im realen Dialog mit spannenden Ideen und einer spannenden Frau.

Michael Schalk

Impressionen von der Ausstellung zum Medienprojekt:

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Fotos: privat

 

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