Kein Mensch hat je so viel Geld wie Jakob Fugger besessen. Wenn man sein Vermögen auf heutige Kaufkraft umrechnet, stellt es das von Microsoft Gründer Bill Gates locker in den Schatten:  Es wären ca. 400 Milliarden Dollar, Bill Gates dagegen besitzt „nur“ ungefähr 80 Milliarden Dollar. Natürlich sind das nur Zahlen, aber dass die Familie Fugger und natürlich allen voran Jakob faszinierend ist, lässt sich definitiv nicht bestreiten.

Wir alle haben verschiedene Inhalte und Informationen über die Familien Fugger und Welser in der Schule vermittelt bekommen, wurden unterrichtet und mussten uns mit diesem, naja sagen wir mal mehr oder weniger spannenden, Teil unserer Geschichte befassen. Wir haben Texte gelesen und auf Tafelbilder gestarrt, wurden ausgefragt und mussten die unterschiedlich intensiv verinnerlichten Inhalte als Leistungsnachweis zu Papier bringen.

        

Aquarelle: Carina Hofmann


Was wäre aber, wenn diese Inhalte anders vermittelt werden könnten, die Schüler sie vielleicht selbst erfahren könnten, sie spielerisch lernen würden, um damit diesen tatsächlich bedeutsamen Teil unserer eigenen Geschichte sogar langfristig zu verinnerlichen?

Das „Fugger und Welser Erlebnismuseum“ hat sich das zum Auftrag gemacht. Seit 2014 werden im Wieselhaus im Domviertel, die Familien Fugger und Welser zum Leben erweckt. Man machte sich hier offensichtlich Gedanken, wie man diese Epoche Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen interaktiv  möglichst nahe bringen kann. Das wurde mir durch die Führung durch Carola Birzele, die sich in ihrem Studium mit  Medienpädagogik beschäftigt, sehr eindringlich klar.

Im Erlebnismuseum wird verstärkt darauf Wert gelegt, dass möglichst alle Sinne angesprochen werden. So kann man das Museum auch für Menschen interessant gestalten, denen ein Sinn fehlt. Carola Birzele interessiert sich im Zuge ihrer Masterarbeit für die Inklusion von Blinden in Museen. Das wird in diesem Museum tatsächlich deutlich: Man kommt z. B. in einen Raum, der einem Schiffsinneren nachempfunden ist und kann diesen wirklich erfahren, man spürt die Holzbohlen, nimmt Gerüche wahr, hört Töne und Geräusche wie man sie auf einem Schiff hören würde. Auf diese Weise wird ganz nebenbei sinnlich verdeutlicht, wie wichtig der Handel mit Schiffen für die Fugger und Welser war. Geht man in den Keller des beeindruckend sanierten Hauses, wird man sofort in ein Bergwerk versetzt und erfährt über Videos, Tonaufnahmen, Bilder und authentische Materialien und Werkzeuge, was es bedeutet hat, in einem Bergwerk zu arbeiten. So kann es passieren, dass man ein „Arschleder“ anlegt und einen originalen Leinenstoff überzieht.

Im ersten Stock wird man in die Welt der Globalisierung entführt und bekommt von den damaligen Protagonisten eine täuschend echt wirkende Videoeinführung in den damaligen Geldhandel. Das Video kann von jedem Besucher ganz individuell gestaltet werden, so wie man an fast jedem Ausstellungsstück des mehrstöckigen Museums interaktiv wirken kann.

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Fotos: Al Smek

Ich habe mich barfuß durch das Museum bewegt und vielleicht nochmal ganz andere Erfahrungen sammeln können, aber egal wie man das alte Wieselhaus betritt, egal welches Alter, welchen Beweggrund oder wie viel Vorwissen man mitbringt, an diesem Ort wird Geschichte wirklich erlebbar, erfahrbar. Ein ums andere Mal hatten wir das Gefühl, in einer anderen Zeit zu wandeln.


Nachspüren

Schiffsbohlen an meinen Zehen
Klangwelten zart an meinem Ohr
Leinenstoff und Lederfetzen an meinem Körper
Eindrücke weitschweifend in meinem Kopf
Bilder, die Welt und vergangene Zeiten vor meinen Augen
Sinn wird sinnlich

Der Poet

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